Philosophie
Ähnlich wie in der Psychotherapie geht es in der Fotografie darum, aus der Fülle des Sichtbaren Dinge herauszuarbeiten, zu vergrössern bzw. prägnant zur Darstellung zu bringen, die Bedeutung erlangen sollen.
Aus diesem Prozess des Erkennens, Herausarbeitens und Vergrösserns von als bedeutsam erklärten Dingen besteht die wesentliche fotografische Arbeit.
Anders als der Psychotherapeut ist der Fotograf frei, völlig beliebige Dinge und Zusammenhänge zum Gegenstand seiner fotografischen Kunst zu machen und ihnen nach jeweiligem Gutdünken Bedeutung zu verleihen. Er kann dabei auf unterschiedlichste Weise motiviert sein und muss sich niemals dafür rechtfertigen. Anders sehen lernen in der Fotografie ist für den Fotografen ein kreativer und bedürfnisgeleiteter Prozess.
Der Betrachter fotografischer Arbeiten wiederum ist völlig frei, sich dem Blickwinkel und Interessenfokus des Fotografen anzuschliessen oder nicht, die Kunst zu mögen oder abzulehnen. Anders als in einem psychotherapeutischen Prozess besteht bei der Fotografie keine Notwendigkeit, dass Fotograf und Betrachter den selben Blickwinkel einnehmen und eine Einigung über die Bedeutsamkeit des Gesehenen erzielen. Der Betrachter kann sich öffnen und anders sehen lernen, er muss es aber nicht.
Fotografieren bedeutet, anders sehen lernen.









