Nikon D4 Review – Erste Erfahrungen und Eindrücke

Seit Juli bin ich nun im Besitz einer Nikon D4. Nach reiflicher Überlegung hatte ich mich zu diesem "Update" entschlossen, nachdem ich speziell im Bereich der Tierfotografie mit meiner D700 an die Grenzen gestossen bin. Das wir uns richtig verstehen: die D700 ist eine fantastische Kamera, eine Alleskönnerin mit sensationellem Rauschverhalten bis ISO 2300 und einem auch heute noch unerreichten Preis-/Leistungs-Verhältnis! Nur wenn es darum geht, sehr schnell bewegliche Sujets auch unter schwierigen Kontrast- und Lichtbedingungen und/oder mit langen Brennweiten zuverlässig im Fokus zu behalten, zeigt sie mitunter schmerzliche Schwächen. Wer nie oder selten z. B. Vögel im Flug oder Sportler mit Teleobjektiven > 300mm ablichten möchte, ist nach wie vor mit der D700 für alle fotografischen Genres bestens ausgerüstet!

Als begeisterter Tier- und Sportfotograf mit Vorliebe für lebendige Momentaufnahmen sind Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit des Autofokus einer Kamera und deren Rauschverhalten bei hohen ISO-Zahlen schlicht der limitierende Faktor, der darüber entscheidet, ob ich eine beobachtete Szene in verwertbarer Weise mit nach Hause nehmen kann oder eben nicht. Nichts fühlt sich elender an, als wenn sich der Graureiher in einem glücklichen unerwarteten Moment direkt vor der Nase mit seinen mächtigen Schwingen in die Luft erhebt und die Bilderserie sich zu Hause am PC als leicht unscharf herausstellt…

Die D700 besitzt denselben Autofokus der D3, bereits die D3s ist noch einmal deutlich schneller und präziser. Hätte ich mich bereits früher so intensiv mit Tier- und Sportfotografie beschäftigt, wäre ich am Erwerb einer D3s schwerlich vorbeigekommen. Die D4 wurde angekündigt mit erneuten Verbesserungen des Autofokus und des Rauschverhaltens. Und obwohl ich doch schon einige Kameras besitze bzw. besessen habe (Minolta 9000, Nikon F80, D100, D200, D300, D700) hatte ich noch nie bereits vor dem Kauf so ein gutes Gefühl.

Nikon D4

Hat sich nun aber die Anschaffung wirklich gelohnt? Ist die D4 die Ausgabe von 6000 Euro (!) wert? Insbesondere im Vergleich zur D700, die für ein Drittel dieses Preises zu haben ist?

Es ist nicht mein Ziel, hier alle Features der D4 aufzuzählen. Wer daran interessiert ist, informiert sich besser direkt bei Nikon, auf einschlägigen Testportalen wie KenRockwell oder Mansurovs. Ich möchte stattdessen kurz und ehrlich die "Improvements" beschreiben, auf die es mir im praktischen Einsatz ankommt und die Auswirkungen auf meine Bilder haben. Hier also zu den für mich wichtigsten Features, wobei die Filmfunktionen nicht berücksichtigt sind:

Zuallererst: Die D4 ist ein unglaubliches Werkzeug. Verglichen mit der auch nicht kleinen D700 mit angeschraubtem Batteriegriff fühlt sie sich an wie ein Porsche. Sie liegt in der Hand, als wäre sie direkt hineingebaut. Das Beste: sie ist nicht schwerer, sondern deutlich leichter als die D700 mit angeschraubtem Batteriegriff! Und dann ist nach meinem Empfinden auch noch richtig schön und vermittelt 100% Solidität. Es soll mir niemand erklären, dass Optik und Haptik eines Fotoapparates nicht auf den Fotografen zurückwirken und seine Bilder positiv beeinflussen! 🙂

Menüführung: Es erübrigt sich fast zusagen, dass die Lage aller wichtigen Knöpfe etc. ziemlich perfekt auf den Arbeitsablauf abgestimmt ist. In diesem wichtigen (!) Punkt übertrifft die D4 die auch schon sehr gute D700 um Längen. Alle wichtigen Einstellungen inkl. Autofokus-Modus (!) lassen sich ganz einfach anpassen, ohne das Auge vom Sucher nehmen zu müssen. Die Möglichkeit, AF-Punkte im Quer- und Hochformat über ein zusätzliches Sub-Menü anwählen zu können ist eine Innovation. Die Möglichkeit je 4 verschiedene komplexe Kamera- und Individual-Einstellungen (etwa für Blitzfotografie, Portrait-Fotografie, Action-Fotografie) unter frei zu wählenden Bezeichnungen abspeichern und bei Bedarf blitzschnell abrufen zu können, ist bei der D4 noch einmal verbessert worden. Ob man dies alles in der Praxis braucht? Natürlich!

Akku-Kapazität: Diese ist nicht so gross wie bei der D3/D3s/D700 mit Batteriegriff, aber für meine Zwecke völlig ausreichend. Die Anschaffung eines Zweit-Akku ist ohnehin stets die erste Pflichtausgabe nach dem Kauf einer Kamera.

Sucher: Beim Blick durch den Sucher entsteht das Bild. Die lediglich 95%-Abdeckung der D700 ist diesbezüglich gewöhnungsbedürftig und erfordert definitiv mehr nachträglichen Beschnitt als ein Sucher der D3/D3s/D4, der gleich 100% abdeckt. Gemessen am unglaublich günstigen Kaufpreis der D700 ist so ein Handicap sicher verschmerzbar. Mit einem 100%-Sucher arbeitet sich aber spürbar leichter. Für alle Nikon Pro-DSLR ist ein helles Sucherbild Standard. Die D4 macht hier keine Ausnahme. Es macht Spass hindurchzuschauen.

Zuverlässigkeit: Diese ist im Vergleich zur D700 ein Meilenstein! Möglicherweise sind alle "grossen" Profi-Bodies hier sehr nah beieinander. Da die D4 bisher mein erstes richtig grosses DSRL-Gehäuse ist, habe ich keinen Vergleich zu den Vorgängern D3/D3s/D3x. Anders als die D700 leistete sich die D4 jedoch bisher keinerlei elektronische Kapriolen. Single-Shot ist Single-Shot, Serienbild ist Serienbild. Ausreisser bei der Belichtung? Negativ! Die D4 macht IMMER genau das, was voreingestellt ist und was mit dem Drücken des Auslösers passieren sollte. Das nenne ich zuverlässig und ist nicht von Nachteil. 🙂 Ich hätte nie geglaubt, dass sich der Unterschied zwischen einer D700 und D4 in puncto Zuverlässigkeit so gross und entscheidend anfühlen würde.

Serienbildfunktion: Was die wünschenswerte/nützliche Anzahl der Serienbilder pro Sekunde (fps) anbetrifft, kann man die Angelegenheit nach meiner Erfahrung auf eine Faustregel herunterbrechen:

  1. Eine Serienbildfolge von 4-5 Bildern pro Sekunde reicht für viele Anwendungen aus und ist auch bei Schnappschüssen, z. B. von Kindern mit ihrer schnell wechselnden Mimik wunderbar.
  2. Für Sportaufnahmen oder schnelle Action-Tierszenen sind Geschwindigkeiten von 7fps oder besser 8fps das Minimum und 9 -10 fps perfekt, um nicht den besten Moment regelmässig zu verpassen.
  3. Mehr als 10 fps braucht m. E. kein Mensch wirklich, ab dann beginnen Nachteile zu überwiegen. Bei der D4 ist es bei 11 fps z. B. praktisch nicht mehr möglich, nur 1 Bild auszulösen, obowhl dies manchmal auch bei voreingestellter Serienbildfunktion durchaus sinnvoll sein kann und die Lebensdauer der Kamera-Mechanik signifikant weniger beanspruchen würde!

Auflösung: Ja, es ist schön und sinnvoll, dass Nikon die Auflösung der D4 moderat nach oben angepasst hat. Schön, dass die Anpassung dem gegenwärtigen Stand der Technik ziemlich optimal entspricht. 18 Megapixel wären vielleicht auch möglich gewesen, aber wir wissen nicht, mit welchen Abstrichen an anderer Stelle diese 2 zusätzlichen Megapixel erkauft worden wären. Die moderate Steigerung der Auflösung bei praktisch unverändertem Rauschverhalten im Vergleich zur D3s ermöglicht jedenfalls etwas mehr Ressourcen beim Zuschneiden von Bildern, was insbesondere in der Sport- und Tierfotografie dankbar angenommen wird.

Automatischer Weissabgleich: Im Vergleich zu meiner D700 scheint mir der Weissabgleich der D4 deutlich sicherer zu sein, auch in schwierigen Lichtverhältnissen. Da ich grundsätzlich auch in RAW fotografiere, kann ich den WB zwar nachträglich jederzeit anpassen. Mit Blick auf die vergleichsweise niedrigen Anschaffungskosten der D700 geht der Automatische WB dieser Kamera deshalb in Ordnung. Er ist im übrigen nicht schlecht, nur eben lange nicht so treffwicher wie der der D4. Und das macht sich im Alltag sehr wohl bemerkbar, weil Fotos mit richtigem Weissabgleich oft schon im ersten Moment einen wertigeren (besser belichteten) Eindruck machen und ggf. viel nachträgliche Korrekturarbeit sparen.

Belichtung: Obwohl sowohl die D300 als auch die D700 in allen 3 Modi (Matrix, Mittenbetont, Spot) wirklich gut belichten, scheint mir die D4 v. a. bei der mittenbetonten Messung noch einmal deutlich exakter zu sein (Spotmessung benutze ich zu selten, um eine Aussage machen zu können). Das führt zu besseren Bildern aus der Kamera und erspart aufwändige Korrekturen.

Dynamikumfang: War der Dynamikumfang der D700 bereits erstaunlich hoch, ist der der D4 wirklich fantastisch! Wir reden hier von den Details in Lichtern und Schatten, die in einer RAW-Aufnahme gespeichert werden und später durch Pseudo-HDR-Verfahren in Photoshop auch in einer JPG- oder TIFF-Datei sichtbar gemacht werden können. Der bessere Dynamikumfang trägt mit dazu bei, dass v. a. kontrastreiche Bilder einer D4 bereits ohne Nachbearbeitung irgendwie besser aussehen.

Rauschverhalten: Ich hätte es kaum gedacht, aber die D4 rauscht noch einmal deutlich weniger als die D700. Und dies in einem praktisch sehr relevanten Bereich. Denn in der Tier- und Sportfotografie benötige ich nicht selten Verschlusszeiten von 1/2500s und mehr und bin dann bei den hiesigen Lichtverhältnissen selbst mit recht offener Blende schnell bei ISO-Werten zwischen 2500 und 4000 oder mehr. Das ist genau der Bereich, in dem eine D300 und alle nachgeordneten Modelle gar keine Chance haben und sich selbst die D700 zunehmend "verabschiedet". Die D4 hingegen zeigt bis ISO 3200 praktisch gar kein Rauschen und bis ISO 6400 bei vielen Bildern noch völlig akzeptable Werte. Es sind mir sogar vereinzelt verwertbare Aufnahmen bei ISO 12800 gelungen. Und das sind Aufnahmen, die ich ganz besonders schmerzlich vermissen würde. Mit der D700 hatte ich in den genannten Grenzbereichen doch viele Bilder, die entweder verwackelt oder verrauscht und definitiv unbrauchbar waren. Mit der D4 ist dies bislang kaum mehr vorgekommen!

Autofokus: Ich erwähnte bereits die Innovation mit dem Sub-Menü, die die Wahl des aktiven Autofokus-Messfeldes im Live-Betrieb ganz erheblich erleichtert. Ebenfalls neu hinzugekommen ist eine AF-Modi-Wahl-Taste links seitlich, die die etwas mühsam zu bedienende Schalterlösung der Vormodelle ersetzt und nun zum ersten Mal problemlos den Wechsel zwischen Einzel- und Serien-Autofokus mit dem Auge am Sucher ermöglicht. Ob man das in der Praxis braucht? Aber natürlich! Der Autofokus selber ist im direkten Vergleich mit der D700 ein Meilenstein, obwohl das eingesetzte Modul nominell dasselbe ist. Spürbare Unterschiede liegen dennoch in der AF-Geschwindigkeit, v. a. aber in der Zuverlässigkeit des Messsystems. Und hier meine ich mit "spürbar", dass mit der D700 unter anspruchsvollen, aber nicht schlechten Lichtverhältnissen etwa 3-4 von 10 Serienaufnahmen einer Action-Szene scharf sind, bei der D4 in der Regel alle oder fast alle! Ich hatte lange Zweifel, ob die "Unschärfe" vieler meiner Aufnahmen mit der D700 auf Verwacklung oder falschen Fokus zurückzuführen sind. Seit ich die D4 habe, weiss ich es: falscher Fokus. Und seither schiesse ich mit einem Drittel der Verschlussgeschwindigkeit wie vorher die schärferen Fotos. Der Autofokus der D4 ist also, zumindest im Vergleich mit der D700 und allen nachgeordneten Nikon-Modellen, ein weiterer Meilenstein. Einfach eine andere Liga!

Ein für den praktischen Einsatz wirklich grossartiges "Improvement" ist die Verbesserung der Autofokus-Leistung bei schwachen Anfangs-Blenden-Öffnungen. Konnte bei den D4-Vorgänger-Modellen der Autofokus nur bis zu einer kleinsten Anfangs-Blenden-Öffnung bis 5.6 verwendet werden, erweitert der verbesserte Autofokus der D4 die Einsatzfähigkeit unter günstigen Lichtverhältnissen bis zur kleinsten Anfangs-Blende von 8! Das bedeutet, dass die Super-Tele-Objektive (Nikkor AF-S 500mm f/4 VR, AF-S 600mm f/4 VR) und andere Linsen mit Offenblende 4 unter günstigen Lichtbedingungen theoretisch noch mit einem 2fach-Telekonverter im Autofokusbetrieb verwendet werden können.

Wer nun, die Ankündigungen des Herstellers und der Presse im Kopf, glaubt, die D4 sei ein "Wunder-Gerät" und könne gar keine unscharfen Bilder erzeugen, sei gewarnt. Die D4 ist weder ein "No-Brainer", noch perfekt! Der Praxis-Einsatz zeigt, dass im Bereich des Autofokus noch immer ein erheblicher Verbesserungsbedarf besteht. So hat auch diese Kamera ihre Probleme bei schlechten Kontrastverhältnisse, etwa, wenn ein Greifvogel aus dem blauen Himmel vor einem Wald abtaucht oder einen Acker überfliegt und der Hintergrund sich plötzlich nicht mehr so eindeutig von der Farbe des Motivs unterscheidet. Selbst wenn es gelingt, die Kamera exakt nachzuführen und den Fokus auf dem Vogel zu halten (was nicht immer ganz einfach ist ;-)), gelingt es auch der D4 häufig nicht, den Vogel scharf zu halten. Ebenso gelingt es der Kamera häufig bei schwachem Kontrast nicht, das Hauptmotiv zu Beginn korrekt zu fokussieren. 11 fps können dann am Ende  auch 11 vermatschte, unscharfe Bilder bedeuten!

Brennweitenabhängige Auto-ISO-Funktion: Ein weiteres neues Feature, die brennweitenabhängige Auto-IS-Funktion sorgt dafür, dass bei der Verwendung von Zoom-Objektiven ISO-Wert und Verschlusszeit automatisch den unterschiedlichen Brennweiten angepasst werden. Dies klingt sehr praktisch, findet bei mir aber nach einem kurzen Test keine Verwendung mehr, da die von der Kamera gewählten Kombinationen sich offenbar an "üblichen", d. h. eher statisch oder gering bewegten Motiven ausrichten. Bei der Verwendung in der Sport- oder Tierfotografie hatte ich regelmässig verwackelte Bilder…

WLAN: Hier lasse ich mich nicht blenden. WLAN ist in der heutigen Zeit, in der nur das schnellste Bild gekauft wird, sicher ein unglaublich wichtiges Feature – für alle Berufsfotografen, die das schnellste Bild verkaufen müssen, um davon zu leben. Für alle anderen ist WLAN ein nettes Feature, das aber wohl kaum kaufentscheidend sein dürfte. Mich ärgert, dass bis heute die WLAN-Funktionalität nicht fest eingebaut ist, sondern den zusätzlichen Erwerb eines völlig überteuerten Transmitters erfordert, der in seinem neuesten Outfit zwar kleiner und handlicher ist als sein Vorgänger, aber dafür nicht mehr abwärtskompatibel. Für mich wirklich unprofessionell gelöst und überhaupt nicht sexy. Wie schön, dass ich nicht vom schnellsten Bild leben muss!

Zusammenfassung:

Die Nikon D4 ist kein No-Brainer oder Mysterium, aber ein absolut robustes und zuverlässiges Arbeitgerät, mit dem sich jede erdenkliche fotografische Idee umsetzen lassen sollte. Sie wurde optimiert auf Belastbarkeit, Schnelligkeit und Präzision und ist deshalb eine 1. Wahl v. a. für die fotografischen Genres, in denen unter vorher schwer kalkulierbaren Licht-, Wetter- und sonstigen Umgebungsbedingungen schnell bewegte und kurzlebige Szenen sicher eingefangen werden sollen. Das sind z. B. die Reportage-, Sport- oder Tierfotografie. Es versteht sich von selbst, dass alle langsameren Aufgabenstellungen mit dieser Kamera ebenso gut umgesetzt werden können.

Moderate, aber spürbare Verbesserungen im automatischen Weissabgleich, in der Belichtung, im Dynamikumfang und in der Auflösung führen zu einem verbesserten Ersteindruck. Die Bilder sehen auch ohne Nachbearbeitung einfach professioneller aus.

Der Akku leistet, was er leisten soll, ohne Bestmarken zu setzen. Da ein geladener Zweit-Akku ohnehin zur Pflichtausstattung gehört, fällt dies m. E. nicht weiter ins Gewicht.

Die Verbesserungen in der WLAN-Anbindung sind für manche Berufsfotografen unverzichtbar notwendig, für meinen Geschmack aber nach wie vor unzureichend und unprofessionell gelöst. Eine Bildrate von 11 fps sollte die Obergrenze darstellen, damit nicht eine unsinnige Überreizung eines Features schmerzhafte Kompromisse an anderer Stelle erzwingt.

Das Rauschverhalten der D4 bei sehr hohen ISO-Werten ist absolut beeindruckend und ggl. sogar unfassbar gut. Diese Eigenschaft, gepaart mit der spezifischen Auslegung auf Handhabung, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit führt dazu, dass mit einer D4 Aufnahmen entstehen können, die mit anderen Kameras nicht machbar sind! Die brennweitenabhängige Auto-ISO-Funktion ist ein intelligentes neues Feature, dem allerdings leider (noch ?) die Differenzierungsmöglichkeit zwischen "üblichen" und schnell bewegten Motiven fehlt, sodass es in der Sport- und Tierfotografie kaum verwendet werden kann.

Das verbesserte Autofokus-System der D4 führt im Vergleich zu nachgeordneten Kameras zu deutlich mehr verwertbaren Fotos und ist deshalb mit dem bereits beschriebenen exzellenten Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten für mich kaufentscheidend gewesen. Unter günstigen bzw. normalen Lichtverhältnissen geht die Ausschussrate bei initial korrekt sitzendem Autofokus und adäquaten Einstellungen im Individual-Menü gegen Null! Ich hatte knackscharfe Bilder in Situationen, die so schnell waren, dass ich sie im Sucher nicht mehr bewusst verfolgen konnte! Bei schwächeren Licht- und Kontrastverhältnissen sind auch die Möglichkeiten der D4 begrenzt, wenngleich ein Vielfaches grösser als mit einer D700 und allen nachgeordneten Modellen. Ob und wie der verbesserte Autofokus der D4 sich im praktischen Einsatz auswirkt, zeige ich in einem späteren Artikel am Beispiel des optisch hervorragenden und handlichen Nikkor 300mm f/4 und den 3 Nikon-Telekonvertern TC-14E II, TC-17E II und TC-20 EIII.

Ihrem Anspruch als "Flagschiff" und 1. Wahl für die professionelle Reportage- und Sportfotografie wird die Nikon D4 m. E. gerecht. Noch bestehende Schwächen insbesondere im Autofokus unter schwierigen Licht- und Kontrastverhältnissen sind dem gegenwärtigen Stand der Technik geschuldet und müssen zukünftig noch verbessert werden. Natürlich kann ein verlorenes Bild nicht ersetzt werden. Immerhin bleibt einem fotografisch versierten D4-Besitzer jedoch ein psychologischer Vorteil: er weiss, es geht z. Zt. nicht besser, und es erübrigt sich meist eine langwierige Fehlersuche.

 

 

 

 

 

 

 

 

5 Responses to “Nikon D4 Review – Erste Erfahrungen und Eindrücke”

  1. fotoschlumpf sagt:

    Hallo, ein sehr schöner D4 Erfahrungsbericht. Ich möchte noch was zum WLAN ergänzen, du siehst es nur als Geschwindigkeitsvorteil am Markt, das ist eine sehr eingeschränkte Sichtweise. WLAN ist für eine Beurteilung eines Lichtsetups und der Farbe, speziell der Farbe ein wichtiges Hilfsmittel. Auch die Hautfarbe sollte passen, das ist immer wieder erstaunlich wie unterschiedlich das ausfallen kann. Oder denke nur an ein High-Key, das kann man auf Glück basieren lassen, einfach mal 2 Blenden korrigieren oder eben WLAN. Ob es hilfreich ist, wenn ein Modell die Bilder schon sehen kann ist dann eine andere Frage (lach). Daher ist WLAN auch für den Lichttüftler ein Must-Have geworden,früher hat man sich die Einstellungen aufgeschrieben, Karte raus und in den PC und dann gucken, brav die Karte wieder freigeben und in die Kamera usw.- Freiwillig machst das nur einmal pro Setup.

    • Franz sagt:

      Hallo fotoschlumpf
      Danke für den wichtigen Hinweis!
      Als ich damals diesen Post schrieb war ich noch fast ausschliesslich mit Tier- und Landschaftsfotografie beschäftigt und hatte nie das Bedürfnis nach WLAN-Funktionalität verspürt. Aktuell beschäftige ich mich eingehender mit Protrait-Fotografie und jetzt habe mir tatsächlich vor wenigen Wochen eigens dafür einen WT-5 zugelegt. Genau aufgrund der Überlegungen, die Du in Deinem Kommentar ausgeführt hast. Habe ihn allerdings leider noch nicht ausprobieren/einrichten können und hoffe sehr auf die freie Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr…
      Werde sicher auch darüber dann einen kleinen Erfahrungsbericht posten.
      LG Franz

  2. Maurizio sagt:

    Ich hätte rasch eine wichtige Frage. Ich bin mir am überlegen, ob ich mir die Nikon D4 oder die Nikon D800 kaufen sollte. Mein Einsatzbereich ist Studio, Hochzeiten und Generalversammlungen. Zwischendurch auch mal die eine oder andere Sportaufnahme. Wie gut ist die Bildqualität der Portraitaufnahmen? Oft lese ich, dass die Bildschäfe nicht optimal ist. Welche Kamera würden Sie mir da eher empfehlen?
    Gruss Maurizio

  3. Franz sagt:

    Hallo Maurizio

    Die D4 eignet sich für alle beschriebenen Aufgaben bestens, die Bildqualität der Portraitaufnahmen ist mit geeigneten Optiken nach meinem Empfinden hervorragend, so gut es mit der vorhandenen Auflösung (ca 16 MP) derzeit im KB-Bereich möglich ist. Der AF hat bei geringem Motivkontrast teilweise erhebliche und oft nervige Probleme. Sicher aber nicht mehr, als alle anderen Nikon-DSLR auch!

    Die D800 kenne ich nicht aus eigener Erfahrung, habe aber Kollegen, die damit arbeiten und mich ggl. mit ihnen ausgetauscht. Ihre Stärke ist die für KB extrem hohe Auflösung, derzeit noch ein Alleinstellungsmerkmal. Im Studio und bei arrangierten Hochzeitsbildern sowie bei unbewegten Tier- oder Menschen-Portraits kann kann man damit ungemein detaillierte und scharfe Bilder machen. Andererseits wirken sich aber Verwackler deutlich stärker negativ aus, ebenso Hautunreinheiten und andere Details, die dem Bild nicht zuträglich sind und später u. U. eine intensivere Nachbearbeitung erfordert. Ein weiterer Nachteil kann insbesondere bei der bewegten Tier-, Sport- und Reportage-Fotografie die relativ geringe Serienbildgeschwindigkeit sein. Unter Umständen ist das beste Foto dann nicht dabei. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist die riesige entstehenden Datenmenge, die auf entsprechend grossen Backup-Medien gesichert und auf ausreichend leistungsfähigen Rechnern verarbeitet werden muss.
    Unter dem Strich ist auch die D800 wohl den meisten fotografischen Motiven vollauf gewachsen mit besonderer Eignung für die Bereiche, in denen es auf einen besonderen Detailreichtum der Bilder ankommt.

    Ich glaube, in Deinen Einsatzbereichen kannst Du mit beiden Kameras grosse Freude haben. Für Studio und Generalversammlungen sehe ich keinerlei Probleme mit der D800. Auch grossartige Sportaufnahmen sind sicher möglich, solange es nicht bei sehr schnell bewegten Motiven auf ein bestimmtes Bild ankommt. Da wäre dann die D4 klar im Vorteil.
    Nur bei den Hochzeiten bin ich mir nicht sicher, wie das Pixel-Monster bei Schnappschüssen performed. Für diese Aufgabe würde ich persönlich meiner schnellen D4 den Vorzug geben. Ist aber nur ein Bauchgefühl, Du solltest das beim Fotohändler mal testen (draussen vor dem Laden Passanten oder einen Freund fotografieren)

    Hoffe, Du kannst etwas damit anfangen…?

    Gruss Franz

  4. Rolf Müri sagt:

    Hallo Franz

    Bin über suche der D4 auf deine Seite gekommen.
    Machst du viele Sportfotos?
    Habe nämlich ein Programm entwickeln lassen für Name aus Startliste oder Rangliste in IPTC Stichworte zu übertragen über die Eingabe der Startnummer.
    Vorteil sie können Nachher die Bilder nach Namen zuhause oder im Netz.
    Bei Interesse am besten melden und ich kann so eine Demo Version senden zum Testen.
    Schön Grüsse aus dem Engadin/Schweiz

    Rolf

Antwort eingeben

n/a